werke
(bilder, objekte, möbel)
|
|
|
Tr�ume aus Ebenholz und Palisander

Kabinett
Art - Ausgabe 1/95
Intarsien
aus Bonn
Tr�ume aus Ebenholz und Palisander
von Christian Sch�fer
Giovanni da Verona, Andr� Charles Boulle,
Abraham und David Roentgen - Selbst die prominentesten Namen einer Jahrtausende
alten Handwerkskunst sind heute nur noch wenigen ein Begriff. Die Reichen und Mächtigen
der Welt, von den italienischen Fürsten über Katharina die II. von Russland
bis zu Ludwig XIV., gehörten zu ihren Auftraggebern. Heute scheint ihr
Kunsthandwerk � die Intarsia und Marqueterie -, deren Ursprünge bereits über
zweitausend Jahre alt sind, nahezu untergegangen zu sein. Lediglich maschinell
hergestellte Bilder und Motive, in gräeren Auflagen und oft mit künstlichen
Farben verfälscht, werden noch angeboten.
Einer
der Wenigen Intarsienknstler in
Deutschland, die dieses Kunsthandwerk noch in seiner ursprünglichen Form
beherrschen, ist der Neu-Bonner Paul Krenz. Er stellte sich und seine
faszinierende Kunst im November 1994 erstmals einer breiten öffentlichkeit vor.
Knapp zwei Wochen lang zeigte er im Alten Rathaus eine Auswahl seiner Arbeiten.
Zu sehen waren Intarsienmöbel, Stilleben, Blumenbilder, biblische Motive und
zeitgenössische Impressionen � der Rundgang durch die Ausstellung wurde mit
dieser umfassenden Motivauswahl zu einer Reise durch mehrere Jahrhunderte der
Intarsienkunst.
Seit einem Jahr lebt und arbeitet Paul
Krenz in Bonn. Gesehen hat er von seiner neuen Heimatstadt noch nicht viel.
Vierzehn bis sechzehn Stunden täglich verbringt er in seiner kleinen Werkstatt.
Monate sitzt er oft über einer einzelnen Arbeit. Eine Unzahl hauchdünner,
Millimeter grosser Holzstückchen winzigen Mosaiksteinchen gleich fügt
er zusammen zu romantischen Landschaften im Stil eines David Teniers oder Caspar
David Friedrich. Die Kraft der Farben und die überraschende Perspektivität
seiner Stilleben und Blumenensembles verführen die Augen: Jeden Moment werden
die winzigen Tautropfen, die die Blätter benetzen, herunterfallen. Aus Farbe
und Leinwand müssten diese Bilder geschaffen sein, aus fiele die kräftigen
Farben, so geschickt spielt Paul Krenz mit seinem natürlichen Werkstoff, dem
Holz. Sein Oeuvre umfasst das ganze Motivspektrum der Intarsienkunst vergangener
Epochen: Neben Blumenbildern und klassischen, dekorativen
Intarsien-Kompositionen gehören dazu auch Portraits, Szenen aus der
Bibelgeschichte und abstrakte Werke.
Flucht und Verfolgung kennzeichnen den
Lebensweg dieses Künstlers. 1948 wurde er in einem Kleinen Ort in der Ukraine,
etwa 250 Kilometer westlich von Kiew geboren. Die aus Schwaben stammenden
Vorfahren hatten über Generationen die Fertigkeiten zur Herstellung von
Intarsienarbeiten vererbt. Die Grosseltern, die eine kleine Schreinerei
betrieben, wurden während der kommunistischen Revolution verfolgt, gefoltert
und ermordet. Nur der Vater von Paul Krenz konnte entkommen. Wie aus vielen Künstlerbiographien
bekannt, waren es auch bei Krenz Kindheitserlebnisse, die die Affinität zu
einem lebensbestimmenden Werkstoff begründen. In den kalten Wintern, so erzählt
er, musste er oft zu Hause bleiben, weil Geld für Schuhe und Kleidung fehlte.
Die Holzmöbel der Familie dienten ihm dann auf ungewöhnliche Weise als
Spielkameraden: Die Lebensadern des Holzes und dessen Maserungen erzählten ihm
Geschichten und malten in seiner Phantasie Gesichter und Figuren. Nach der
Schulzeit wurde Krenz an einer Kunstberufsschule zum Kunsttischler ausgebildet.
Seine aussergewöhnlich guten Noten verhalfen ihm zu einem Stipendium, und er
konnte an einer Fachschule der Nahrungsmittelindustrie studieren. Erst nach
Beendigung des Militärdienstes Anfang der siebziger Jahre konnte sich Paul
Krenz in Kiew dann wieder seinem Beruf als Kunsttischler widmen. Den politischen
Wandel unter Gorbatschow nahm er schliesslich zum Anlass, sich um die
Anerkennung als Deutschstämmiger zu bemühen, mit dem Ziel, in den Westen überzusiedeln.
Trotz deutscher Papiere verweigerten ihm die ukrainischen Behörden die
Ausreise. Eine Urlaubsreise in die damalige Tschechoslowakei nutzte die Familie
Krenz 1991 zur Flucht und Übersiedlung nach Deutschland. Nur wenige seiner
Arbeiten konnte Paul Krenz mitnehmen
� den Hauptteil seines frühen Werkes musste er in der Ukraine zurücklassen.
Eine
Biographie aus Eiche, Ahorn und Birke
Seine
Biographie Schrieb Paul Krenz in Holz ein 15teiliger Kreuzweg-Zyklus zeichnet
symbolisch die Stationen seines Lebens und das seiner Vorfahren. Zugleich hat
Krenz dieses Lebenswerk, an dem er über zehn Jahre gearbeitet hat, dem Gedenken
an die Verfolgung und das Leiden der Deutschstämmigen in der Sowjetunion
gewidmet. In Sachalin lernte Krenz Anfang der achtziger Jahre einen katholische
Geistlichen kennen, dessen Handbibel ihm Motive und Anregungen für Skizzen zu
einzelnen Szenen des Kreuzweges lieferten. Ab 1983 entstanden die ersten
Intarsienarbeiten zu dem ursprünglich 14 Stationen umfassenden Zyklus der
Leidensgeschichte Jesu. Erst nach seiner Flucht in den Westen, bei der er die
Halbfabrikate des Kreuzwegs versteckt zwischen Furnierstücken und anderen
Utensilien mitnahm, ermöglichte ihm eine grosszügige Materialspende die
Fertigstellung seines Werkes. Unter dem Eindruck der erfolgreichen Flucht ergänzte
Paul Krenz seinen Kreuzweg, von dem jedes einzelne Motiv in einen massiven
Eichenrahmen gefasst ist, um eine 15. Station: die Auferstehung
Ein
Kunstbegriff über Jahrtausende
Bereits
im Alten Orient und in der Antike waren kunstvolle Einlegearbeiten bekannt.
Intarsienverzierte Möbel und Kisten, die im Grab des Tut-Ench-Amun gefunden
wurden, zeugen von Ansehen und Fertigkeiten der Künstler im alten Ägypten. Der
Begriff "Intarsia" findet Ursprünge im Italienischen (von "intarsiare"
= �in Holz einlegen) und Arabischen ("tarsi" = "das
Auslegen/Besetzen"), die Hinweise geben auf die lange und weitverbreitete
Tradition dieses Kunsthandwerks. Die Blütezeit der Intarsie war die
italienische Frührenaissance. Hier entstanden bedeutende Raumvertäfelungen,
Sakristeischränke und Chorgestühle mit perspektivischen Darstellungen. Zu den
berühmtesten Intarsien-Arbeiten des 15. Jahrhunderts zählen die des "Studiolo"
im Palazzo ducale in Urbino und das Chorgestühl der Kirche Santa Maria in
Organo in Verona. In der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts waren vor allem
Intarsien aus Ebenholz und Elfenbein beliebt, daneben wurden in Frankreich
Schildpatt, Messing und Zinn zur Herstellung von Intarsien verwendet. Einen
bedeutenden Aufschwung nahm die Intarsia unter Ludwig XIV. mit der Anfertigung
von Luxus-Möbeln. Als Ziermotive kamen hierbei neben geometrischen Figuren auch
bildliche Darstellungen, Landschaften, Stilleben, Blumen und Portraits vor. Zu
den Hauptmeistern der Intarsien-Möbel zählen neben dem Franzosen Andräa
Charles Boulle die Deutschen Abraham und David Roentgen, die Werkst�tten in
Neuwied und Paris betrieben, Ein Zeugnis ihres herausragenden Könnens bewahrt
heute das Rheinische Landesmuseum Bonn auf: einen prunkvollen
Renaissance-Schrank aus dem 16 Jahrhundert.
Auch
die Intarsienkunst hat im verlauf der Jahrhunderte grundlegende �nderungen
erfahren. Herstellungsmethoden, Motive und Materialien wurden den jeweiligen
Trends und Bedürfnissen der Auftraggeber angepasst. Gearbeitet wurde mit Leder,
Metall, Stein, Elfenbein, Edelstein, Glas, Perlen es gab kaum ein Material,
das neben Holz nicht für Einlegearbeiten Verwendung fand. Zusätzlich beizte, färbte
räucherte oder gravierte man die Hölzer. Seit dem Mittelalter spielen Furnierhölzer
eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Intarsienarbeiten gleichzeitig
konnten Verfahren damit vervollkommnet, verfeinert und vereinfacht werden, Künstler
und Kunstschreiner setzten ihre Motive von nun an aus dünnen Furnierplättchen,
oftmals nur 0,4 bis 0,8 Millimeter stark, zusammen die dann auf eine Grundplatte
gepresst wurden. Auch Paul Krenz bedient sich dieser Methode. überwiegend aus
den Abfallkisten von Holzhändlern, Schreinereien und Möbelfabriken stammen die
Furnierblätter, aus denen er die winzigen Bestandteile seiner Werke mit Messer
oder Skalpell herausschneidet. Rund fünfzig verschiedene Holzarten verarbeitet
Krenz. Ihre Auflistung gleicht einer naturkundlichen Reise um die Welt. Neben
einheimische Hölzern verwendet er Nussbaum aus dem Kaukasus, verschiedene
Tropenholzfurniere aus West- und Südafrika, Birkenholz aus Finnland und Sequoia
aus Nordamerika. Das rötliche Padouk aus Asien, goldgelbes Zitronenholz aus
Kalifornien und das kontrastreiche Zebrano aus Westafrika gehören zu den
besonders interessanten Furnieren. Um die Farbwirkung bestimmter Hölzer zu
verstärken werden diese gemoort oder mit öl "angefeuert".
|
LesPromInform | Ausgabe 08 2008 Paul - der Plagiator der Natur
Europa Express vom 28.07.2006 Das Holz liegt ihm im Blut.
Kölnische Rundschau vom 18.05.2002 Hölzerne Gesellschaftskritik.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 18.05.2002 Ein Tisch, auf dem die Menschheit tanzt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.05.2002 Hinein ins Guinness-Buch.
Europa - Express vom 12.05.2002 Das Licht, das aus der Seele strömt.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.05.2001 Der Kabinettschrank des Kardinals.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 21.10.2000 Ein Arche in der Erdkugel.
Rhein-Sieg Rundschau vom 12.09.2000 Intarsienbild aus 6500 Holzteilchen.
General-Anzeiger vom 17.05.2000 Eine Madonna aus Niederkassel für den Papst.
Rundschau vom 16.05.2000 Audienz beim Heiligen Vater.
Kirchenzeitung vom 14.03.2000 Erzbischof Joachim Meisner begeistert von Einlegearbeiten des Paul Krenz.
Rhein-Sieg Rundschau vom 14.10.1999 Intarsienkünstler zeigt "Visionen der Natur".
Extrablatt vom 06.10.1999 Die Holzstruktur ersetzt den Pinselstrich.
Rhein-Sieg Rundschau vom 11.05.1999 Das Erbe meiner Väter - Die außergewöhnliche Kunst von Paul Krenz.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.02.1999 Mit Holz die dritte Dimension erobern.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 09.01.1999 Kreativer Kopf unter dem Holzhut.
General Anzeiger vom 20.11.1998 Holzphantasien bis hin zum Jüngsten Gericht
General-Anzeiger vom 30.07.1997 Kunst-Träume aus Holz.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 29.07.1997 Holz für Holz fügt sich zum Bild.
Rhein-Sieg Rundschau vom 26.07.1997 Große Kunstwerke entstehen aus winzigen Holzstückchen.
General - Anzeiger vom 07.11.1994 Beeindruckende Exemplare aussterbender Kunst
Bonner Rundschau vom 04.11.1994 Abenteuerlicher Weg von der Ukraine an den Rhein
Ruhrwort Nr. 51/52 vom 21.12.1991 Wie kann ein Bild die Sinne so täuschen?
Thüringer Allgemeine vom 02.10.1991 Intarsien vom Heiligen Abendmahl
Th�ringer Allgemeine vom 17.04.1991 Seltenes Kunsthandwerk - Intarsien von Paul Krenz -
vom 02.01.1970 neuer Artikel über Paul Krenz.
vom 02.01.1970 neuer Artikel über Paul Krenz.
vom 02.01.1970 neuer Artikel über Paul Krenz.
vom 02.01.1970 neuer Artikel über Paul Krenz.
|
|
|
|
|